Greenpeace-Studie: Bahnfahren in Europa oft teurer als Fliegen

veröffentlicht am

Eine aktuelle Greenpeace-Studie zeigt: Auf vielen europäischen Strecken ist das Flugzeug günstiger als die Bahn – selbst bei kürzeren Distanzen. Besonders Verbindungen nach Westeuropa fallen preislich ins Gewicht. Was das für Reisende bedeutet und warum die Bahn trotzdem aufholt, lesen Sie hier.

Greenpeace-Preisrecherche: Vergleich Zug vs. Bahn in Europa

Bahnfahren gilt als klimafreundlichste Form des Reisens. Dennoch ist es in vielen Fällen die kostspieligere Variante. Eine aktuelle Studie der Umweltorganisation Greenpeace verdeutlicht das Missverhältnis: Auf 66 von 142 untersuchten Städteverbindungen in Europa (46,5 Prozent) lagen die günstigsten Flugpreise unter denen der Bahn. Besonders ins Gewicht fallen grenzüberschreitende Routen: Hier ist das Flugzeug sogar in 54 Prozent der Fälle günstiger. Auch innerhalb Deutschlands zeigt sich ein gemischtes Bild: Auf etwa der Hälfte der innerdeutschen Verbindungen war die Bahn preislich im Vorteil, auf der anderen Hälfte das Flugzeug.

Westeuropa teuer, Osteuropa günstiger

Am teuersten wird es für Bahnreisende vor allem in Richtung Westeuropa und Südeuropa. Wer beispielsweise nach Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Italien reist, zahlt für Bahnverbindungen oft ein Vielfaches des Flugpreises. Greenpeace führt als Extremfall die Strecke Köln–Manchester an: Bei kurzfristiger Buchung kostete die Bahn bis zu 300 Euro, während ein Flugticket schon ab 20 Euro erhältlich war. Deutlich günstiger ist die Bahn hingegen auf Verbindungen in den Osten Europas, etwa nach Polen, Tschechien, Österreich oder Belgien.

So hat Greenpeace verglichen

Die Analyse bezieht sich ausschließlich auf Einzelfahrkarten, die zu neun unterschiedlichen Zeitpunkten abgefragt wurden. Rabatte wie die BahnCard oder Vielfliegerprogramme blieben außen vor. Auch Kosten für Gepäck wurden nicht berücksichtigt – ein Punkt, bei dem die Bahn in der Regel im Vorteil ist, da Airlines häufig nur ein kleines Handgepäckstück kostenlos zulassen. Für Reisen mit längerem Aufenthalt oder Familienausflüge kann dieser Faktor den Preisunterschied spürbar relativieren.

Seit 2023 leichte Annäherung

Im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2023 zeigt sich ein leichter Trend zugunsten der Bahn. Damals war das Zugticket nur auf 27 Prozent der untersuchten Routen günstiger, heute sind es 41 Prozent bei den gleichen Verbindungen. Greenpeace führt dies auf ein verbessertes Bahnangebot sowie weniger Billigflugverbindungen über Umsteigedrehkreuze wie London oder Dublin zurück. Verkehrsexpertin von Greenpeace Lena Donat spricht zwar von einem „Hoffnungsschimmer“, mahnt jedoch, dass die Bahn weiterhin durch hohe Abgaben belastet werde, während Flugreisen von Steuervergünstigungen profitieren.

Greenpeace-Forderungen an Politik und Wirtschaft

Greenpeace fordert eine faire Besteuerung von Flugreisen, insbesondere durch Ticketabgaben für Business- und First-Class, sowie den Abbau von Steuerbefreiungen und Subventionen für Airlines. Auf der anderen Seite sollen Bahnfahrten durch geringere Abgaben und ein dichteres Netz europäischer Direktzüge attraktiver gemacht werden. „Wenn wir klimafreundlich reisen wollen, muss die Bahn überall günstiger sein als das Flugzeug“, so Donat.

Ihre Reiseplanung

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt bei der Wahl des Verkehrsmittels häufig der Ticketpreis ausschlaggebend. Während Umweltaspekte und Komfort für die Bahn sprechen, bietet das Flugzeug oft den günstigeren Preis und die schnellere Verbindung.

Carl Christian Müller Mueller.legal

Rechtsanwalt Carl Christian Müller Vertragsanwalt der SOS-Flugverspätung ist Rechtsexperte für Reiserecht

Rechte von Fluggästen nicht aus dem Blick verlieren

"Kommt es bei einer Flugreise zu Verspätungen oder Ausfällen, haben Passagiere nach der EU-Fluggastrechteverordnung Anspruch auf Entschädigung. Wir unterstützen Sie dabei, diese Ansprüche durchzusetzen."

Jetzt Anspruch prüfen!

Hier bleibt mehr für Sie

Zurück